Das Auffinden eines Einbaums im Vaalermoor

Aus einem Bericht von Lehrer Johannes Voss aus dem Jahre 1903:

„Im Frühling des Jahres 1878 fand man auf dem Besitz des Landmanns Becker im Vaalermoor, unweit der Wohnstätte des Landmanns H. Gloyer, beim Wegräumen der oberen Moorerde und Herausheben der unter dieser ruhenden fetten Marscherde in einer Tiefe von 2 m ein altertümliches Boot oder vielmehr Schiff, wenn man es so nennen will. Die Länge des Fahrzeugs betrug 11,50 m, die Breite 1 m. Deutlich erkennbar waren noch 12 Rudersitze und am Rande des Bootes 12 so. „Dollen“. Die Ausgrabung des merkwürdigen Fahrzeugs wurde von dem Ingenieur H. Claußen geleitet, welcher aber leider wegen der Sprödigkeit des Holzes nicht mehr verhindern konnte, dass das Boot sich der Länge nach in zwei Teile spaltete. Diesen Schaden hat man durch ein künstliches Zusammenfügen der beiden Hälften zu heben gesucht. Das Fahrzeug ist ganz aus einem Stücke hergestellt, ist also ein sog. Einbaum, ein einziger Stamm, dessen Höhlung wahrscheinlich ausgebrannt ist. Auf geschehene Anzeige dieses eigenartigen Fundes bewirkte der Kirchspielvogt Gerling in Wilster sofort, eine sachkundige Inobachtnahme des Fundobjektes durch den Direktor des Museums für vaterländische Altertümer, Professor Handelmann in Kiel, der sich am 24 März an Ort und Stelle begab. Durch freiwillige Beiträge , die an den Ingenieur Claußen und den Lehrer Jensen in Vaalermoor eingeliefert wurden, konnte die Herausschaffung des Bootes und die Unterbringung desselben auf der großen Diele des Landmanns H. Gloyer bewirkt werden. Schon am Morgen nach der Entdeckung des Einbaums umlagerten viele Zuschauer von früh bis spät die Grube. Der Zudrang von Nah und Fern war nach einigen Tagen ein ganz enormer, auch des Nachts mussten Wachen die Fundstätte beaufsichtigen, da sich in der Gegend das Gerücht verbreitet hatte, dass große Schätze in dem Fahrzeuge verborgen seien, und mehrere Leute nicht übel Lust hatten, eine Plünderung des Bootes vorzunehmen, wobei wahrscheinlich eine gänzliche Zerstörung desselben stattgefunden hätte. Es fanden sich übrigens weder im Schiffe noch in der Nähe desselben irgendwelche Spuren eines Gerätes oder einer Waffe. Das Boot wurde von dem Finder und Landeigentümer Becker dem Kieler Museum geschenkt und durch den damaligen Gastwirt und Landmann Höft zu Waren nach Kiel übergeführt.“

Informationsquelle:

Der Text stammt aus der „Chronik des Kirchspiels Wacken“ von Lehrer Johannes Voss aus Vaale.

Weitere Auskünfte erhalten Sie in der Vaaler-Chronik von Herrn Kurt Schütt aus dem Jahre 1997.

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