Die Ausgrabung auf dem Rugenberg am 10.-11. August 1884

Aus einem Bericht von Lehrer Johannes Voss aus dem Jahre 1903:

 

„Die östlich von Vaale sich hinziehende, in einzelnen Spitzen über 50 m hohe Hügelkette, war früher mit etwa 10 Hünengräbern geschmückt. Zwei derselben tragen den Namen „Rugenbarg“ und sind im Besitze des Hofbesitzers H. Böge in Vaale. Beide Hügel sind 30 Schritte voneinander entfernt, haben an der Sohle einen Umfang von 70 m und liegen fast 30 m über dem Spiegel der Elbe. Im Sommer 1884 wurden die beiden Hügel unter Leitung des Lehrers J. Voß in Burg a. F. und unter Beihilfe der Hofbesitzer H. Böge, H. J. Voß, D. Kühl und des Rentners Behrenberg (sämtlich in Vaale) geöffnet.

Mit dem kleineren Hügel wurde der Anfang gemacht. Man stellte einen 2,5 m breiten Querschnitt, von S. O. nach N. W. gehend, her und entdeckte hart an der nordwestlichen Abdachung eine bedeutende Steinsetzung, die, auf dem Urboden stehend, eine Länge von 3 m, eine Breite von 2 m und eine Höhe von 1,5 m hatte. Diese Steinkiste war aus faust- und kopfgroßen Findlingen aufgesetzt sowie mit Holzkohle und teilweise kalzinierten Knochen gefüllt. Am Westende lagen 5 Bronzenadeln, 6 cm lang, östlich davon ein Armband von Bronze mit zierlichen Ornamenten, 4 cm breit und im Durchmesser 6 cm haltend. Südlich von diesem Armband fand man 2 Armringe aus Bronze und ein zierliches Dolchmesser, das eine Länge von 11 cm hatte und mit zwei Nieten am Griffe befestigt war. Weiter entdeckte man noch zwei kleine Brustschilder, einen Fingerring, einen von Kupferrost zerfressenen Hohlring und einen Armring. Sämtliche Fundsachen gehören dem jüngeren Bronzealter an und scheinen auf eine weibliche Trägerin hinzuweisen.

Der zweite Hügel zeichnete sich schon äußerlich dadurch aus, dass er mit einem kleinen Ringwall umgeben war, der in früheren Jahren mit Steinen besetzt gewesen sein soll. Eine weitere Besonderheit bestand darin, dass eine mit Erde bedeckte Steinsetzung rund um den Fuß des Hügels lief, in welcher vor einigen Jahren von dem Besitzer Böge eine blattförmige Lanzenspitze gefunden wurde, die an das Kieler Altertumsmuseum gekommen ist. An der Nordseite hatte dieser Hügel einen kleinen Buckel. Von hier aus wurde ein 3 m breiter Querschnitt durch den Hügel versucht. In einer Tiefe von 1,5 m traf man die Deckelsteine eines Felsengrabes. Mit Hilfe der zahlreich anwesenden Dorfbewohner gelang es, den Hügel so weit abzutragen, dass der großartige Steinbau ganz frei lag. Die Ausdehnungen der aufgedeckten Felsenkammer waren: Länge 4 m, Breite 2,50 m, Höhe 3 m. Das Begräbnis strich von S. W. nach N. O. und war von 14 erratischen Blöcken gebildet. Die Spalten und Risse der Felsen waren mit Ton und kleinen Granitsplittern fest verstopft. Auf den vier Überliegern der Felsenkammer fanden sich zahlreiche kleine Steine, welche mit einer starken Kohlenschicht bedeckt waren, die auf ein Leichenopfer schließen lässt. Nachdem die Felsenkammer nach allen Seiten hin freigemacht worden war, öffnete man dieselbe dadurch, dass man einen der vier Deckelsteine abhob. Im Mittelpunkt des Grabes fand man ein menschliches Skelett, das in einem Baumsarge oder in einem als Boot benutzten Einbaum ruhte. Zu den Füßen des Skeletts stand eine Urne von 75 cm Umfang und 25 cm Höhe, graubraun, kugelförmig, mit gerade ansteigendem 5 cm hohem, zylinderförmigen Hals. Unterhalb des Halses befand sich eine kleine Öse. Zu beiden Seiten der Urne lagen zwei Bronzebolzen, 7 cm lang und 9 mm im Durchmesser haltend, die nach den Untersuchungen des Herrn F. Knorr in Kiel als Überreste eines ehemaligen Klappstuhles anzusehen sind. Auf der Bauchhöhle entdeckte man einen messerscharfen Bronzedolch, 21,5 cm lang, mit flachgewölbtem Mittelgrat. Das Griffende war 4 cm breit, lief in eine stumpfe Spitze aus und war mit drei Nieten zur Befestigung des Griffes versehen. Bei dem Dolch lag eine Bronzenadel, defekt, schnurartig gerippt, mit einfachem Kopf und einer Anschwellung unterhalb desselben, 12 cm lang, und eine Bronzefibula (Gewandnadel), 9,5 cm lang, mit einem 5 mm breiten, platten, in der Mitte gerippten, an den Rändern, etwas gehobenem Bügel. Auf dem Brustkasten des Skeletts lag ein beim Herausnehmen noch glänzendes Schwert, 62,5 cm lang. Die Spitze war abgebrochen, die Griffzunge hatte aufstehende Ränder und 6 Nieten um den bogenförmigen Ausschnitt der ehemaligen Griffbekleidung. Der Mittelgrat war breit und gewölbt, und neben der Schneide lief eine Furche. Bei dem Schwert lag ein reich verziertes Wehrgehenke mit Resten einer Scheide. Links vom Schädel fand man endlich einen Schaftcelt mit Teilen eines Holzschaftes. Der Schaftcelt war 18 cm lang, wovon 7,5 cm auf die Schaftbahn kommen, oberhalb derselben befanden sich drei ringförmige Reifen. Vom Skelett waren die Knochen größtenteils vermodert, nur der Schädel war recht gut erhalten. Die hohe Stirn war gewölbt, der Hinterkopf stark entwickelt, die Stirnbreite betrug 13 cm. Der Unterkiefer zeigte 16, der Oberkiefer 17 Zähne. Der Baumsarg oder der als Sarg benutzte Einbaum zeigte eine mit einem axtartigen Instrument ausgehackte Höhlung. Die Endflächen des Eichenstammes waren abgerundet. Von besonderem Interesse waren auch einige wenige Gewandreste. – Sämtliche Fundsachen wurden von dem Besitzer des Rugenberge, Herrn Hofbesitzer H. Böge in Vaale, in anerkennenswerter Weise dem Museum vaterländischer Altertümer in Kiel geschenkt.“

 

Informationsquelle:

Der Text stammt aus der “Chronik des Kirchspiels Wacken” von Lehrer Johannes Voss aus Vaale.

Weitere Auskünfte erhalten Sie in der Vaaler-Chronik von Herrn Kurt Schütt aus dem Jahre 1997.

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